Augusta. (art) Es mögen kleine Schritte für jene Golfspielerinnen sein, die in dieser Woche erstmals bei einem Turnier im altehrwürdigen Augusta National Golf Club abschlagen - für den Frauengolfsport soll es ein großer sein. So verkaufen es zumindest die Organisatoren, und darauf hoffen auch die Spielerinnen. Tatsächlich hat es historische Dimensionen, wenn ab Mittwoch das Augusta National Women’s Amateur stattfindet, bedenkt man, dass man Frauen in dem 1932 gegründeten Klub, in dem jedes Jahr in der zweiten April-Woche das US Masters, das prestigeträchtigste Major des (Herren-)Golfsports, ausgetragen wird, bis 2012 die Aufnahme als Mitglieder verwehrt hat. Und doch orten viele Beobachter in der nun gepriesenen Öffnung für den Frauensport in jenem Klub, der wie kein anderer die Etikette hochhält, auch einen Schwindel an derselben. Zum einen handelt es sich um ein reines Amateurturnier, zum anderen werden die ersten beiden Runden auf einem Nachbarplatz ausgetragen. Nur die dann 30 Besten kommen ab Samstag in den Genuss, über dasselbe Grün zu wandern wie die Männer.

In diesen illustren Kreis vorzustoßen, ist freilich auch das Ziel der 18-jährigen Niederösterreicherin Emma Spitz, die sich ihren Startplatz als erste Österreicherin mit ihrem Sieg beim British Amateur im August des Vorjahres gesichert hat. "Leicht wird es nicht, ich werde sicher am ersten Abschlag hypernervös sein", räumte sie im Vorfeld im Gespräch mit der Austria Presse-Agentur ein. "Es wird sicher spannend. Ich werde versuchen, es trotzdem zu genießen." Abgesehen von einer guten Platzierung, die auch hinsichtlich ihrer demnächst angestrebten Karriere an einer US-Universität wünschenswert wäre, hofft auch sie, dass der Frauen-Golfsport von dieser Maßnahme profitieren wird. Immerhin: Das Interesse ist enorm, die 80.000 Zuschauer-Tickets waren binnen Kürze ausverkauft, NBC wird live übertragen. "Ich hoffe, dass das Turnier hilft, den Golfsport größer zu machen. Wenn du hier gewinnst, kennt dich jeder, der sich für Golf interessiert", sagt Spitz - und denkt gleich einen Schritt weiter. "Von mir aus können sie als Nächstes hier gleich auch ein Frauen-Major-Turnier machen." Denn insgesamt hinkt der Golfsport bei den Frauen in puncto Aufmerksamkeit und nicht zuletzt Geld noch weit hinterher - wenngleich in den vergangenen Jahren eine Aufwärtsentwicklung spürbar war. Auf der Ladies PGA Tour wird heuer bei 33 Turnieren die Rekordsumme von insgesamt 70,55 Millionen Dollar ausgeschüttet. Bei den einzelnen Veranstaltungen gibt es aber freilich deutlich weniger als bei den Männern zu holen. Während bei diesen in Augusta elf Millionen Preisgeld ausgeschrieben sind, liegt die höchste Dotation bei einer Frauenveranstaltung bei fünf Millionen Dollar. Die Thailänderin Ariya Jutanugarn hat im Vorjahr insgesamt rund 2,7 Millionen Dollar verdient - und damit in etwa ein Drittel von Justin Thomas. Abgesehen vom Monetären würden sich viele auch mehr gemischte Turniere - bisher eine absolute Ausnahme - wünschen, um das Interesse anzukurbeln.

Es ist freilich noch ein weiter Weg zur Gleichberechtigung. Immerhin werden nun auch in Augusta erste Schritte gemacht - wenn auch kleine.