Frankfurt. Reinhard Grindel ist von seinem Amt als Präsident des deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten. Das hat Grindel am Dienstag in Frankfurt in einer persönlichen Erklärung bekannt gegeben.

Damit zog der 57-Jährige die Konsequenzen aus dem wachsenden Druck der vergangenen Tage. Zunächst hatte das Nachrichtenmagazin "Spiegel" über angeblich nicht veröffentlichte Zusatzeinkünfte in Höhe von 78.000 Euro in den Jahren 2016 und 2017 als Aufsichtsratschef der DFB-Medien-Verwaltungs-Gesellschaft berichtet, danach hatte ihn eine geschenkte Luxusuhr eines ukrainischen Oligarchen weiter in Bedrängnis gebracht. Der nunmehrige Ex-Verbandschef bedauerte in seiner Erklärung Unachtsamkeiten, stritt aber ein bewusstes Fehlverhalten ab. Er habe die Uhr als "persönliches Geschenk" angesehen und wollte auf die positiven Aspekte seiner Amtszeit verweisen: "Wir haben den Neubau des DFB auf den Weg gebracht. Das ist gut für alle Mitarbeiter im Haupt- und Ehrenamt. Und es ist durch den Abschluss verbesserter Sponsorenverträge gelungen, die wirtschaftliche Lage des DFB zu stärken", hieß es in seiner Erklärung.

Dennoch werfen die Vorgänge kein gutes Licht auf ihn, schließlich war er mit dem Versprechen angetreten, für neue Transparenz zu sorgen. Grindel, davor Bundestags-Abgeordneter für die CDU, war 2016 an die Spitze des DFB aufgekommen, nachdem die bisherige aufgrund der Malversationen rund um die WM 2006 in Deutschland hatte gehen müssen. 2024 veranstaltet der DFB mit der Europameisterschaft abermals eine Großveranstaltung. Grindel, dessen Agenden bis zum DFB-Bundestag im September die Vizepräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball übernehmen, hatte es sich auf die Fahnen geheftet, dass diese nach Deutschland geholt werden konnte. Allerdings hatte sich schon in den vergangenen Monaten Widerstand formiert. Sei es mit seinen Aussagen über Spieler mit Migrationshintergrund, seinem Herumlavieren über die umstrittene WM in Katar 2022, die Pläne der Fifa über eine reformierte Klub-WM oder die Kommunikation in Sachen Ausbootung dreier Team-Urgesteine - die Kritik, auch intern, wurde zuletzt immer lauter.

Weitere Negativschlagzeilen will man nun im Vorfeld der EM 2024 vermeiden, zugleich ist die Nachfolgedebatte voll ins Rollen gekommen. Philipp Lahm, Weltmeister-Kapitän von 2014, hatte diesbezügliche Gerüchte um seine Person am Montag zurückgewiesen: "Es ist der 1. April. Ich würde das einmal so stehen lassen", hatte er am Rande einer Gala der DFB-Hall-of-Fame gemeint. Nun ist zumindest Grindel ein Fall fürs Fußballmuseum.