Beim Roman "Die Deutschlehrerin" hat sich der Inhalt beim Schreibprozess völlig verändert, da hat das Konzept nicht gehalten. Ich hab mich in eine Sackgasse hineingeschrieben, und ich habe eine Weile gebraucht, um mich da wieder herauszumanövrieren. Die Abgabe des Manuskripts hat sich um mehrere Monate verzögert. Es war so geplant, dass Mathilda Kaminksi (die Deutschlehrerin) wirklich dieses entführte Kind des Schriftstellers Xaver Sand in ihrem Keller gefangen hält und es dort ohne Sprache aufwächst, obendrein wird es missbraucht. Sie wäre also tatsächlich eine femme fatale gewesen, die sich am Ex-Liebhaber rächen will. Es hat aber nicht funktioniert, und ich musste das letzte Drittel des Romans anders schreiben als geplant.

Spannung ist ein wichtiges Element in Ihren Büchern - man möchte wissen, was die Protagonisten schicksalhaft verbindet. Kennen Sie selbst zu Beginn das der Struktur zugrunde liegende Geheimnis oder lassen Sie sich beim Schreiben überraschen?

Ich kenne es bei allen Büchern im Vorhinein, zwar nicht alle Einzelheiten, weil sich der Feinschliff oft erst beim Schreiben ergibt. Aber ich habe immer ein grobes Konzept vorher. Wenn ich nicht weiß, wohin die Reise gehen soll, kann ich nicht zu schreiben beginnen. Überrascht wurde ich nur bei der "Deutschlehrerin", weil sich diese Figur so vehement geweigert hat, eine grausame Rächerin zu sein.

Sie haben ein Buch mit dem Titel "Roman ohne U" geschrieben. Es ist aber viel U in Ihren Romanen enthalten - in Form von guter Unterhaltung. Sie sind ja eine erzählerische Schriftstellerin und verstehen es ausgezeichnet, inhaltlich alle Bestseller-Register zu spielen. Klappentext-Zitat aus Ihrem Buch "bleiben": "Ich war verrückt nach ihm. So wahnsinnig verrückt. Wie ein fiebriger Rausch war es, wie eine Sucht." Bemerken Sie manchmal in der österreichischen Literaturszene ein Misstrauen gegenüber der Belletristik und Ihrer Art zu schreiben?

Was die Leser betrifft: nein, und sie sind in diesem Geschäft die Wichtigsten. Aber in der Literaturszene selbst, also unter Kolleginnen und Kulturjournalisten, habe ich ab und zu die Erfahrung gemacht, dass es dieses "leise" Misstrauen durchaus gibt. Wenn ein bisschen Abfälligkeit mitschwingt, kennt man sich eh aus. Ehrlich gesagt, ist mir das aber wurscht.

Pflegen Sie Kontakte zu österreichischen Schriftstellerkollegen?

Mittlerweile habe ich keine Berührungsängste mehr zur österreichischen Literaturszene. Am Anfang war das sicher so, vor allem, was bestimmte Autoren betrifft. Ich glaube, ich wäre vor acht Jahren vor lauter Nervosität eingegangen, wenn ich Robert Menasse oder Michael Köhlmeier getroffen hätte. Ich habe in den letzten Jahren auch einige Kollegen kennengelernt wie zum Beispiel Bettina Balàka, Eva Menasse, Susanne Scholl, Ela Angerer, Stefan Kutzenberger, Thomas Sautner u. a. Es ist aber nicht so, dass ich mit ihnen viel Kontakt habe bzw. ständig irgendwelche Treffen besuche, um mich mit Kollegen auszutauschen. Kontaktpflege gehört nicht zu meinen Talenten und Austausch hilft mir beim Schreiben nicht weiter. Ich bin zwar nicht misanthropisch veranlagt, aber definitiv eine Einzelgängerin. Wenn ich mich einsam fühle, sehne ich mich nach Menschen, und wenn ich unter Menschen bin, habe ich schnell wieder genug, es reicht mir ein Abend, um für längere Zeit nichts auszumachen.