Haben Sie Ihren Schreibstil von Beginn an gefunden? Oder war Ihre schriftstellerische Persönlichkeit und Identität ein Werdegang bzw. ein Prozess?

Ich habe von Anfang an mit verschiedenen Handlungs- und Zeitebenen und mehreren Hauptcharakteren gearbeitet, die in der Ich-Form zu Wort kommen bzw. aus deren Perspektive erzählt wird. Das war schon beim Debütroman "Sommer wie Winter" so, und hat sich dann wie ein roter Faden durch alle meine Bücher gezogen. Bei mir verläuft selten eine Geschichte chronologisch oder eindimensional. Ich mag das, wenn sich eine Geschichte zum Schluss wie ein Puzzle zusammenfügt.

Bei einer Bestsellerautorin stellen sich viele Menschen ein Schreiben mit leichter Feder vor. Geht Ihnen das Schreiben mühelos von der Hand - voller Freude, Esprit und Leidenschaft? Oder bedeutet es für Sie auch harte Arbeit?

Für mich ist es harte Arbeit. Ich plage mich besonders am Anfang sehr, da fühlt es sich fast masochistisch an, sich an den PC setzen zu müssen. Gegen Ende, in den letzten Wochen, kommt meistens - Gottseidank - der Flow, da will ich nicht mehr weg von der Tastatur, was mit der Familie natürlich schwierig ist.

Wie reagiert Ihre Familie, wenn Sie in die Arbeit an einem Buch versunken sind?

Anfangs verständnisvoll, in den letzten Wochen, die am intensivsten sind - ich nenne sie immer Showdown -, auch manchmal genervt.

In Ihren raffinierten Plot-Kons-truktionen verknüpfen Sie zumeist mehrere inhaltliche Stränge, die sich überraschend kreuzen und ein Netz ergeben, in dem sich nicht nur die Figuren verfangen, sondern auch die Leser. Bereitet Ihnen das Konstruieren eines Plots besonderes Vergnügen?

Sehr. Am schönsten und am spannendsten ist für mich immer die Zeit, bevor ich mich an den PC setze, um zu schreiben. Die Geschichte im Kopf ausreifen zu lassen, fühlt sich am besten an. Ich brauche vorher immer ein fertiges Konzept, sonst kann ich nicht beginnen. Ich spiele monatelang, manchmal auch jahrelang gedanklich mit der Inhaltsstruktur und den Charakteren herum, oft auch während ich gerade ein anderes Buch schreibe.

Wie behalten Sie bei den komplexen Geflechten aus Personen, Schicksalen, unterschiedlichen Perspektiven sowie verschiedenen Handlungs- und Zeitebenen, die oft über mehrere Generationen reichen, den Überblick?

Eigentlich weiß ich das nicht so genau, ich behalte ihn einfach. Szenenskizzen, Schautafeln oder Ähnliches mache ich nie. Es gibt nur ein paar handschriftliche Notizen in einem Heft, die meistens die Geburtsjahre oder das Alter der Charaktere betreffen, damit ich sie nicht wieder vergesse. Zahlen sind nicht mein Ding.

Schreiben Sie sich auch manchmal in Sackgassen hinein oder hält die Konstruktion immer?