Wien/Teheran/Washington. Im Atomstreit zwischen dem Iran und den USA gehen beide Seiten ohne Rücksicht auf Verluste in die Offensive. Am Mittwoch drohte Washington damit, weitere Sanktionen gegen Teheran zu verhängen. Der Iran schlägt zurück und reichert eine größere Menge Urans höher an, als laut Atomabkommen erlaubt ist. Damit setzt Teheran seine Vertragspartner unter Druck und heizt gleichzeitig einen gefährlichen Konflikt im Mittleren Osten weiter an.

Dabei steht der Iran wirtschaftlich längst mit dem Rücken zur Wand. Die Maßnahmen der USA, die man in Teheran mit dem 2015 geschlossenen Atomdeal überwunden glaubte, treffen die einfachen Menschen hart. Dazu kommt die hausgemachte Korruption. Die Inflation und die hohen Preise machen den Menschen im Land das Leben schwer.

In dieser Situation gießen die fanatischen iranischen Revolutionsgarden mit aggressiver Rhetorik Öl ins Feuer. Ein Kommandeur der Elitetruppe meinte zuletzt, dass die US-Militärstützpunkte und die Flugzeugträger im Mittleren Osten in Reichweite iranischer Raketen lägen. "Unsere Raketen werden ihre Flugzeugträger zerstören, wenn sie einen Fehler machen", so der Kommandant.

US-Präsident Donald Trump hat sich ebenfalls nicht um verbale Zurückhaltung bemüht und dem Iran mit der Vernichtung gedroht. Das ist freilich nicht das Ziel Washingtons. Hier will man den 2015 vereinbarten Atomdeal, der verhindern soll, dass sich Teheran Atomwaffen aneignet, wieder aufschnüren und durch einen nach Trumps Auffassung weit besseren Deal ersetzen.

Entwicklung macht vor
allem Israel nervös

Um den Atomdeal ging es am Mittwoch bei einer Sondersitzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Hochrangige Diplomaten aus 35 Ländern versuchten, den Konflikt zu entschärfen. Die Frage war, ob das Atomabkommen irgendwie noch zu retten ist. Teheran hat dabei jede Art der Änderung strikt zurückgewiesen. Man wolle nur über das sprechen, "was im Atomdeal steht (. . .) kein Wort mehr, aber auch kein Wort weniger", so Außenamtssprecher Abbas Mussavi.

Dabei hat der Iran als Reaktion auf den Ausstieg der USA aus dem Vertrag längst damit begonnen, mehr Uran anzureichern als vereinbart ist. Dabei handelt es sich um eine deutliche Steigerung, wie gestern klar wurde: Die IAEA stellte fest, dass der Gottesstaat Uran auf 4,5 Prozent anreichert - eine bedeutsame Steigerung. Laut Abkommen sind 3,67 Prozent erlaubt. Außerdem, so die IAEA, verfügt der Iran nun über 213,5 Kilogramm an angereichertem Uran. Ebenfalls ein Verstoß, laut Atomdeal sind nur 202,8 Kilo erlaubt.