London/Brüssel. Die britische Premierministerin Theresa May befindet sich nach ihrem Kompromissangebot zum Brexit an die Sozialdemokraten immer stärker am Schleudersitz. Die Hardliner in ihrer Tory-Partei zeigten sich Mittwochvormittag entsetzt über das Vorgehen Mays. Die dem Chef der Labour-Partei Jeremy Corbyn angebotene Zusammenarbeit wurde verurteilt.

Corbyn sei ein "bekannter Marxist", so der konservative Abgeordnete Jacob-Rees Mogg. Er bezeichnete laut "Daily Mail" Corbyn als neuen stellvertretenden Premier von May.

Warnungen auch an Corbyn 

Allerdings kam zuletzt auch von sozialdemokratischer Seite eine Warnung an Corbyn, nicht in eine Falle zu tappen. Dabei könnte Blut an den Händen von Corbyn hängen bleiben, wenn Großbritannien die EU nun mit einem sanfteren Deal oder überhaupt nicht verlasse, wurde ein britischer Labour-Abgeordneter zitiert.

Der ehemalige deutsche SPD-Vorsitzende und frühere EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat unterdessen Corbyn aufgefordert, dem Deal zuzustimmen. Er hoffe, dass sich "die Allianz der Vernünftigen bildet".

Zugehen auf Opposition als Ausweg aus der Sackgasse

May will sich nach ihrem Brexit-Kompromissangebot an die Opposition am Mittwoch den Fragen der Abgeordneten stellen. Bei der Fragestunde im Parlament muss die Regierungschefin mit ziemlich heftigem Gegenwind aus den eigenen Reihen rechnen.

May hatte am Dienstagabend nach einer siebenstündigen Krisensitzung ihres Kabinetts angekündigt, einen weiteren kurzen Aufschub des EU-Austritts zu beantragen. Sie wolle sich nun mit Oppositionschef Jeremy Corbyn von der Labour-Partei zusammensetzen und nach einer Lösung aus der Brexit-Sackgasse suchen.

Irland unterstützt May-Forderung nach Verlängerung
Irland unterstützt die Forderung der britischen Premierministerin Theresa May nach einer neuerlichen Verlängerung des Brexit-Ausstiegsdatums. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass Großbritannien ohne Deal am 12. April die EU verlasse, so Außenminister Simon Coveney am Mittwoch.

"Sie werden um eine kurze Verlängerung nächste Woche ansuchen. Und ich denke, Irland wird das unterstützen", erklärte Coveney dem irischen Staatsfernsehen. (apa, reuters)