Augen tränen und Nasen rinnen: Das frühlingshafte Wetter fördert den Pollenflug der Birke. - © Adobe/Ingo Bartussek
Augen tränen und Nasen rinnen: Das frühlingshafte Wetter fördert den Pollenflug der Birke. - © Adobe/Ingo Bartussek

Wien. Eigentlich hatte das Jahr gut begonnen. Der kalte und schneereiche Winter hatte Hasel und Erle später blühen lassen, die Hasel habe Pollenallergiker grundsätzlich weniger stark belastet, sagt Katharina Bastl vom Österreichischen Pollenwarndienst der MedUni Wien. Die Hauptbelastung durch die Hasel sei auch schon wieder so gut wie vorüber. Die Erle blühe zwar noch, allerdings nur in mittleren Lagen. In Tieflagen stehe jedoch aktuell die Birke in Vollblüte und belaste Allergiker stellenweise stark, so Bastl. Erste Spitzen stünden bevor. Das frühlingshafte Wetter habe den Pollenflug und die Blüte der Birken zumindest über die erste Wochenhälfte gefördert.

"Wenn man auf Hasel und Erle reagiert, kann es sein, dass man auch auf die Birke reagiert, weil sie zur gleichen Pflanzenfamilie (Birkengewächse, Anm.) gehört", sagt Bastl im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Auch Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittel seien möglich. Wer eine Hasel-Pollenallergie hat, kann auch auf Haselnüsse oder jemand mit Birken-Pollenallergie auf rohe Äpfel und Karotten reagieren.

Symptome wandern in die Lunge

Allergiker nehmen diese Belastungen nicht alle gleich wahr. Die häufigsten Symptome sind laut Bastl juckende und tränende rote Augen sowie eine rinnende Nase. Diese sollte man so schnell wie möglich behandeln, also Allergene vermeiden, die Symptome mit Medikamenten wie Antihistaminen unterdrücken oder eine Immuntherapie machen. Lässt man die Allergie nämlich zu lange unbehandelt, kann es zu einem Etagenwechsel kommen: Die Symptome wandern von oben nach unten, vom Kopf in die Lunge. Allergien sind die häufigsten Ursache für Asthma.

Manche entwickeln Allergien erst im Laufe der Jahre, bei anderen - sehr wenigen - verschwinden sie wieder. Tatsache ist jedoch, dass die Anzahl der Menschen, die unter einer Pollenallergie leiden, steigt. Claudia Traidl-Hoffmann, Professorin für Umweltmedizin an der Technischen Universität München, spricht sogar von einem exponentiellen Anstieg der Allergien seit den 1960er Jahren. Zwischen 30 und 40 Prozent der Bevölkerung habe irgendeine Form der Allergie, gegen Pollen und Gräser seien bereits 20 bis 30 Prozent allergisch.

Ein "Fehler" des Immunsystems

Ursachen dafür gibt es mehrere. Eine ist der Verlust an Diversität bezüglich Nahrung und Mikroorganismen im und auf dem Körper. Denn eine Allergie, ausgelöst durch ein Allergen zum Beispiel im Blütenpollen, ist grundsätzlich ein "Fehler" des Immunsystems: Dieses reagiert auf Pollen mit ähnlichen Symptomen wie etwa auf Viren. Der Körper versucht, die Pollen zu bekämpfen. Vielseitige Ernährung in der Kindheit ist ein vor Allergien schützender Faktor. Bricht der Kontakt mit Erde und zu Tieren einer ländlichen Umgebung, insbesondere Kühen, ab, steigt die Wahrscheinlichkeit für Allergien. "Wir haben diese traditionelle Lebensweise spätestens seit den 1960er Jahren aufgegeben, und das hat unser Immunsystem empfindlicher gemacht. Die Toleranzgrenzen wurden nach unten verschoben", sagt Traidl-Hoffmann.