Der unermüdliche Autor Gustav Ernst verehrte seiner Kollegin ein Paar rote Schuhe im Miniaturformat, das er vor Jahren in Rom erstanden hat. In ihrer Form ästhetisch durchaus anfechtbar, sind sie gleichwohl Träger persönlicher Erinnerungen. "Er hat gesagt, die haben ihn auf vielen Wegen begleitet", erzählt Kreidl, die mit Ernst eine lange Bekanntschaft verbindet. "Als er und Karin Fleischanderl die Literaturzeitschrift ,Kolik‘ gründeten, hat er mich gefragt, ob ich nicht einen Text für die erste Nummer schreiben wolle. Das war für mich eine Ehre."

Von der großen Lyrikerin Friederike Mayröcker bekam Kreidl Zettelwerk: Notizen, Vorarbeiten, Anmerkungen. "Ende 1983 habe ich Mayröcker in der Oststeiermark das erste Mal lesen gehört. Ich war schockiert, verstört und ergriffen, weil das eine so andere Literatur war. Sie ist für mich ein Vorbild in ihrer unglaublichen Konsequenz. Sie hat mich gelehrt, dass ich nicht alles sofort verstehen muss, was ich lese, und dass man auch sehr Außergewöhnliches machen darf. Und es freut mich sehr, dass sie hier dabei ist."