Die Bekanntschaft mit Anna Minayev verdankt Kreidl ihrem Stück "Dankbare Frauen", das die israelische Regisseurin und Dramaturgin in Tel Aviv inszeniert hat. Minayev spendete eine Bestätigung ihrer Geburt (1985 in St. Petersburg). Zu dieser Zeit, schreibt Minayew in einer Replik dazu, seien Neugeborene oft vertauscht worden. Und ihre Mutter wollte keinesfalls einen Buben statt einem Mädchen - das vor dem Hintergrund, dass orthodoxe jüdische Männer jeden Morgen im Gebet Gott preisen, dass sie nicht als Frauen geboren worden sind. "Diese Kirchen sind wirklich überall derselbe Mist", kommentiert Kreidl.

Im wahrsten Wortsinn einen Teil von sich gab Simon Scharinger. Der Reinhard-Seminarist, dessen Vor-Diplom-Inszenierung von Ernst Jandls Stück "Die Humanisten" bereits gutes Presse-Echo fand, verehrte Kreidl seine langen Haare, von denen er sich 2009 bei der Maturareise getrennt hatte. Scharinger, notabene auch Mitglied des A-capella-Ensembles Gesangskapelle Hermann, hatte bei Kreidl den Kurs "Szenisches Schreiben" besucht.

Tasse aus Traditionscafé

Der Experimental-Musiker Michael Fischer, mit dessen Vienna Improvisers Orchestra Kreidl im vergangenen September einen gemeinsamen Auftritt im Zeichen musikalischer wie auch literarischer Improvisation absolviert hatte, beglückte sie mit einem alten Fernrohr und Beiträgen zur Sozialtheorie Max Stirners.

Mentor Halper wiederum, der mit 15 Jahren als Kriegsflüchtling aus dem Kosovo nach Wien emi-griert ist und heute das Traditionscafé Rüdigerhof führt, wählte eine naheliegende Gabe: eine Espressotasse. "Der Rüdigerhof ist mein Stammcafé, seit ich 1996 nach Wien gekommen bin", erzählt Kreidl. "Mein Lebensgefährte Lucas Cejpek (Autor, Theater- und Hörspielregisseur, Anm.) hat einmal gesagt, ,ich glaube, du bist vor allem wegen dem Rüdigerhof nach Wien gezogen’. Das ist ein Ort, der mir wichtig ist. Obwohl ich nicht dieses Klischee lebe, im Kaffeehaus zu schreiben."

Eine Lebensmittelsymposium in der Schweiz im Jahr 2011 machte Kreidl mit der Konditorin Wencke Schmid-Grell bekannt. Diese schickte ihr eine Marzipannixe: "Wencke war zum Sympo-
sium eingeladen, weil sie echte Kunstwerke mit Zuckerbäckerei macht. Am Abend machte sie einen Marzipanworkshop, wo dann alle mit fetten Fingern Rosenblätter und Ähnliches geformt haben. Das war dermaßen entspannend, dass auch die etwas steiferen Professoren reiferen Jahrgangs darin aufgegangen sind."

Botschaft der Zuversicht

Bei einer Donation musste Kreidl zunächst schwer schlucken. Es ist der zentrale Venenkatheder mit der Aufschrift "Das lag mir am Herzen", den die Schriftstellerin Ilse Kilic während ihrer Chemotherapie gegen Brustkrebs getragen hatte. Kreidl hat einige Titel im Verlag Das Fröhliche Wohnzimmer, den Kilic zusammen mit Fritz Widhalm führt, veröffentlicht. "Ilse ist meine beste Freundin in Wien. Außerdem ist sie eine solidarische Kollegin, was mir oft abgeht im Betrieb." Aber so beklemmend Kilic’ Geschenk auch sein mag, birgt es doch eine Botschaft der Zuversicht: "Ilse sagte zu mir, ,du kriegst den Katheder, denn ich brauch ihn nie wieder‘. Das heißt für mich, der Krebs ist überwunden."