"Das lag mir am Herzzen": Donation der (inzwischen geheilten) Schriftstellerin Ilse Kilic. - © Jaschke
"Das lag mir am Herzzen": Donation der (inzwischen geheilten) Schriftstellerin Ilse Kilic. - © Jaschke

Seit Juni 2018 - und noch bis 23. Mai dieses Jahres - ist der Zitatkasten öffentlich zugängig. Geordnet (und dementsprechend beschriftet) ist er nicht nach Namen, sondern nach Geburtsdaten ohne Jahreszahlen. Damit wollte Kreidl verhindern, dass sofort in Laden mit bekannten Namen wie Gerhard Rühm oder Friederike Mayröcker gegriffen würde. Gleichwohl steht Mayröcker mit dem 28. 12. als Geburtstag an exponierter, nämlich letzter Stelle rechts unten.

Den Anfang macht, links oben, die feministische Publizistin Erica Fischer, die genau am 1. 1. (1943) geboren wurde. Fischer spendete eine portugiesische Sardinendose der Marke "Queen Of The Coast", dazu eine Fliese mit Fischmotiven und einen Brief als "Dokumenta-tion einer Begegnung" 1998 anlässlich der Uraufführung von Kreidls Komödie "Dankbare Frauen" im Postfuhramt Berlin-Mitte. In ironischer Anspielung auf den Titel signiert Fischer als "Die Undankbare".

Ins Schwärmen gerät Kreidl beim Präsent ihrer "geistigen Nahversorgerin", der Buchhändlerin Brigitte Salanda. Es sind dies 28 "Lebensbücher" als Streichholzschachteln: Das Äußere der Schachteln zieren die Cover von Werken wie Christoph Ransmayrs "Die letzte Welt", Raymond Queneaus "Zazie in der Metro", Thomas Bernhards "Frost", André Bretons "Nadja", Peter Sloterdijks "Die Kritik der zynischen Vernunft" oder Bernhard Vespers "Die Reise" plus Porträts der Autoren; das Innere der Schachteln enthält neben Streichhölzern Informationen zum jeweiligen Buch.

Buchstabenmaterial

Auch von Gerhard Rühm bekam Kreidl eine Zündholzschachtel, diesfalls mit der Aufschrift "Hotel Schrammelhof Litschau", doch dient diese ebenso wie die Plastikschachtel daneben als Behälter für Buchstabenmaterial, aus dem Rühm seine Anagramme fertigt.

"Mich freut sein Geschenk insofern besonders, als dieses sein wirkliches Arbeitsinstrument ist, das er am Tisch verschiebt. Das mag ich an ihm so gern, seinen spielerischen Zugang zur Arbeit", erklärt Kreidl. "Ich mag auch seine Chansons, seine ordinären Lieder. Und ich verehre ihn als Autor. Als er mir das Du-Wort angeboten hat, bin ich kurz einmal rot geworden und sagte, ,das kann ich nicht!‘ Jetzt geht’s aber gut", (lacht). Gleich neben Rühm findet sich ein weiterer Pionier der österreichischen Literatur der Nachkriegzeit: Alfred Kolleritsch. Der Gründer der Zeitschrift "manuskripte", Mitbegründer und langjährige Präsident des Grazer Forums Stadtpark, transkribierte sein erstes (unbetiteltes) Gedicht aus dem Jahr 1946.

Vom Architekten und Unternehmenscoach Martin Krammer bekam die Autorin einen Bastelbogen für eine öffentliche Telefonzelle. Kreidl gehört nämlich zu jenen heute fast schon exzentrisch anmutenden Menschen, die ohne Mobiltelefon auskommen. Dabei steht hinter diesem Verzicht nicht einmal eine besondere Protesthaltung: "Ich hab einen Anrufbeantworter, ich hab E-Mail und es ist nicht so, dass ich jeden Tag 20 Anrufe kriege", argumentiert sie, wohl gewahr, dass die fortschreitende Mobilisierung aller Alltags- wie Berufs-Bereiche ihrer Handy-Abstinenz irgendwann doch ein Ende setzen könnte.