Eine zierliche Japanerin ist schuld, dass die Lager von Secondhandshops derzeit überquellen. Ordnungsprofessionistin Marie Kondo hat in einer Sendung auf Netflix die Order ausgegeben, dass nur ein ausgemisteter Haushalt ein guter Haushalt ist, und die Welt folgte ihr in müllsackschwingendem Eifer.

Die Frage, die Kondo ihren Aufräumschützlingen immer auf den Weg gibt, wenn es Unklarheit über den Verbleib eines Dings gibt, lautet: "Entfacht es Freude in dir?" Da macht man es sich freilich ganz schön leicht. Denn nicht alles, wovon man sich nicht trennen will, entfacht auch wirklich Freude. Manchmal entfacht es auch Ärger. Oder Trauer. Oder ein schlechtes Gewissen. Und trotzdem will man es, verdammt noch mal, nicht einfach wegschmeißen. Nicht alles im Leben ist "Joy", warum sollte man sich dann auch nur an jene Episoden erinnern, die glücklich waren? Und sich ein Fake-Leben mit zensurierten Memorabilia erschaffen?

Wenn die emotionale Bindung an das Objekt nicht sehr groß ist, kann man sich einreden, dass es ein zweites Leben via Flohmarkt bekommt. Wenn die Beziehung aber über ein simples "Das ist doch noch gut" hinweggeht, dann ist das "Museum of Broken Relationships" eine Option. Es steht in Zagreb und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen um ihre belastenden Beziehungserinnerungen zu erleichtern. Es gibt sehr witzige und sehr rührende Exponate. Eine deutsche Frau hat etwa die Hacke ("Ex-Axe") gespendet, mit der sie das Mobiliar ihrer Verflossenen zerhaut hat. Eine Mutter aus Irland hat zwei Porzellanfigürchen eingeschickt, die ihre Kinder, die die Trennung vom Vater nur schwer vertragen haben, symbolisiert haben.

Wie viel Dinge, die man aufhebt, erzählen können, zeigen nicht nur die Artefakte, die Mitarbeiter der "Wiener Zeitung" hier präsentieren, sondern auch ein sehr spezielles Buch: Leann Shaptons "Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke" ist ein spannendes Kramuri-gewordenes Kompendium einer (fiktiven) Liebe. Etwas, das man mit Marie-Kondo-Jüngern kaum bewerkstelligen könnte.

Das Museum der Herzensobjekte des "Wiener Zeitung"-Teams

Meine alten Sportklub-Fanzines: Diese Heftchen wurden von einer Handvoll Sportclub-Fans in kleiner Auflage für andere Sportclub-Fans produziert - und sie sind ein schönes Liebhaber-Projekt aus der Prä-Internet-Ära. In diesen Heften sind die ganzen Auf und Abs (und es waren viel mehr Abs), das ganze Pathos, die ganzen Verrücktheiten dieses kleinen Vereins dokumentiert. Sie erinnern daran, dass der Exzentriker Adi Pinter tatsächlich Trainer dieses Fußballteams und Beate Uhse beinahe Sponsor war, erinnern an Spieler wie "Potz-Blitz"-Janeschitz oder an den (nur unter Liebhabern bekannten) "U-A"-Uwira. Manche Hefte stammen aus der Zeit, als wir noch in der Bundesliga gegen die Rapid spielten und nicht wie heute in der Regionalliga gegen die Rapid Amateure. Wenn ich diese Heftchen durchblättere, steigt in mir noch immer die Hoffnung auf, dass die Zeit kommen wird, in der wir wieder gegen die Erste von Rapid spielen - und sie schlagen werden. (Klaus Huhold, Redakteur Außenpolitik)

Alte Sportklub-Fanzines. - © Wiener Zeitung
Alte Sportklub-Fanzines. - © Wiener Zeitung

Das Kleid meiner Mutter: In diesem Kleid hat meine Mutter mit meinem Vater am Kirtag 1965 getanzt. Es ist für mich ein Blick ins Glück: der Tanz der Eltern, sonniger Kirtag, selige Kindertage. Wenn ich an meine seit vielen Jahren verstorbene Mutter denke, sehe ich sie in diesem Kleid. (Brigitte Pechar, Leitung Innenpolitik)

Das Kleid meiner Mutter. - © Wiener Zeitung
Das Kleid meiner Mutter. - © Wiener Zeitung

Meine "Lebenstasche": Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich suchte ein Zuhause für all meine Sachen, die ich täglich brauche (auch wenn ich sie dann eh gar nicht brauche in Wirklichkeit, aber halt brauchen könnte). Und dann sah ich SIE in einem kleinen Taschengeschäft in der Salzburger Innenstadt. Seitdem haben meine Sachen und SIE ein Zuhause. (Petra Tempfer, Redakteurin Innenpolitik)

Eine "Lebenstasche". - © Wiener Zeitung
Eine "Lebenstasche". - © Wiener Zeitung

Mein Stück vom Eisernen Vorhang: 1956 als Baby-Flüchtling vom großen Bruder (14) im Kinderwagen über ein gatschiges Feld vom ungarischen Sopron nach Schattendorf geschoben. Die Mama hatte zwei kleine Schwestern an der Hand. Der Papa blieb zurück und wollte als Patriot kämpfen. Dann konnte er doch nicht ohne seine Kinder sein und folgte auf dem Fuße. 1989 als "Standard"-Redakteur beim Zusammenbruch des Ostblocks auch wegen der persönlichen Geschichte an vielen Schauplätzen "live" dabei. Beim Abbau des Stacheldrahtes bei Sopron ein persönliches Erinnerungsstück ergattert. Es lebe die Freiheit! (Paul Vecsei, Redakteur)

Ein Stück vom "Eisernen Vorhang". - © Wiener Zeitung
Ein Stück vom "Eisernen Vorhang". - © Wiener Zeitung

Mein Kuschelkissen: Hasen, Bären und Katzen aus Plüsch hatten bei mir keine Chance: Ins Bett durfte nur das "Hanserl". So nennt man in Bayern kleine Kissen für Kinder. Meines zierte ein Automotiv. Meine Mutter hat es aus Stoffresten genäht, als ich vier Jahre alt war. Ich liebte es innig. Ohne das Kissen konnte ich nicht einschlafen. Das "Hanserl" musste deshalb auch mit in den Urlaub. Wasser, Rotz und Nasenbluten setzten dem kuscheligen Einschlafhelfer über die Jahre zu. Hunderte Waschgänge nagten am Stoff. Ich habe mein "Hanserl" aber immer noch. Es hat jetzt 30 Jahre am Buckel. In einer Schublade ist es verwahrt - und mit ihm schöne Kindheitserinnerungen. (Michael Ortner, Redakteur Online)

Ein Kuschelkissen. - © Wiener Zeitung
Ein Kuschelkissen. - © Wiener Zeitung

Mein Teddy: Ich habe meinen Teddy seit meinem 3. oder 4. Geburtstag. Er war anfangs ein richtiger "Brummbär", bis ihn meine Mutter einer Putzerei anvertraute. Stumm kam er zurück, ich liebte ihn dafür aber umso mehr. Einen Namen habe ich ihm nie gegeben, er ist einfach meine erste Kindheitserinnerung, die ich nicht missen will. (Rosa Eder-Kornfeld, Redakteurin Innenpolitik)

Mein Teddy. - © Wiener Zeitung
Mein Teddy. - © Wiener Zeitung

Meine besondere Kette: Bei einer Tour durch den Dschungel in der Region Chinag Rai (Thailand) wurde mir eine Kette aus Bananensamen verkauft. Die Kette werde ich in Zukunft immer bei mir haben. Sie erinnert mich an eine Reise, bei der ich drei Tage im Dschungel war. Im Dschungel geschlafen, im Dschungel gewandert, im Dschungel überlebt. (Moritz Ziegler, Grafiker)

Eine besondere Kette. - © Wiener Zeitung
Eine besondere Kette. - © Wiener Zeitung

Mein 4-blättriger Trifolium:

Mit 14 Jahren war ich einem Mädchen sehr verbunden
ich als Helfer im "Club Handicap" - Sie leider an den Rollstuhl gebunden
Besser kennengelernt und Freundschaft geschlossen
haben wir beide einen schönen Sommer genossen
Eines Tages - bei der Mithilfe - im Behindertenverein
wurde ich von Ihr beschenkt - seitdem ist "er" bei mir daheim
Viele schöne Stunden verbrachten wir in der Natur
ich sah sie danach nie wieder - es hieß, sie sei auf Kur
Was hilft für einen lieben Menschen - all die gewünschte Kraft
wenn sie nicht lange halten kann - so eine wunderbare Freundschaft
Und wenn mich jemand heute fragt, ob "er" mir Glück gebracht
denk ich gleich an Sie, die - von oben - zu mir herunterlacht.
(Manfred Rohrbacher, Layout)

Ein 4-blättriges Trifolium. - © Wiener Zeitung
Ein 4-blättriges Trifolium. - © Wiener Zeitung

Mein Domino: Dieses Spiel war - neben dem Apfelkompott als Nachspeise - heiterer Fixpunkt der wöchentlichen Besuche bei einer Wahlgroßtante. Eigentlich nur eine Nachbarin, sollte sie ein - exakt 70 Jahre älterer - Lebensmensch werden. Als ich klein war, ließ sie mich mehr oder weniger subtil beim Stein-Anlegen gewinnen. Ein Running Gag, der in späteren Jahren zurückgespielt wurde: Als sie dement wurde, ließ dann ich sie Woche für Woche mehr oder weniger subtil gewinnen. (Christina Böck, Leitung Feuilleton)

Ein Dominospiel. - © Wiener Zeitung
Ein Dominospiel. - © Wiener Zeitung